Weihnachtstraum
Ulli (Ulrike) am 23.11.97 

Die Strassen waren verschneit. Wie Puderzucker tanzte der Schnee auf den mit Eis bezogenen Flaechen. Peter traeumte. Von einer Welt voller Waerme. Einem Platz, wo es nicht so kalt war wie unter den Bruecken.

Hinter den Bergen blinzelte gerade die Sonne hervor. Sie trocknete noch gedankenverloren die letzten Regentropfen um sich herum, die sie manchmal weinen machten und breitete dann ihr waermendes Gefieder aus. Sie umspannte den Horizont, der ihr zaertlich wohlgesonnen war. Alles war so unbegreiflich schoen. Auf den Feldern rieben sich die Erdbeeren den Schlaf aus den Augen. "Hmmm" machte die Sonne. Unter ihrer sanften Glut entfalteten sie ein wunderbares Aroma. Nun zogen neugierig die Zuckerwattewoelkchen heran. Auch sie wollten den neuen Tag begruessen. Denn heute sollte ein neues Pflaenzchen, das erst keimte, zur Bluete erwachen.

Die Stille und die Freiheit waren wie von Sinnen. Der rauschende Gebirgsbach wusch sich immer klarer. Er war von schimmerndem Eisblau und wusste um seine Wirkung. "Guten Morgen, stolzes Wasser!" sagte die Erde. Die Graeser und Blumen wuerzten die frische Luft, die voller Lebenslust und Freude zu einem maechtigen Wind aufbrauste. Eine Spur zu uebermuetig. Die wilde Sahne am Himmel wirbelte durcheinander.

Erbost ueber so viel Untugend streute der Sand seine Koerner aus. Die Blueten tanzen einen ungezuegelten Reigen. Ploetzlich glaettete eine unbekannte Kraft die Wogen. Die Aeste der Baeume ruhten von ihrem Schaukeln, die Stimmen der Blaetter im Wind von ihren Schwingungen aus. Vorsichtig tastend lugte ein neuer Erdenbewohner hervor. Alles schaute und staunte und war ganz geruehrt von soviel unmittelbarem Augenblick. Das Pflaenzchen- man nennt es Liebe- hatte sich voll entfaltet. Die Blumen sangen LIebeslieder im Takt des Windes, erfuellt von Dankbarkeit gegenueber dem Wunder Natur.

Und die Sonne breitete wieder stolz die Arme aus. Noch nie hatte sie so gestrahlt wie an diesem Morgen unschaetzbaren Gluecks. Peter rieb sich den Schlaf aus den Augen. Ihm war auf einmal gar nicht mehr kalt. Er schaute an sich herunter und entdeckte den dicken Flauschmantel, in den er gehuellt war. Auf der schneebedeckten Strasse blinkten goldene Sterne wie Wegweiser. Er folgte den Zeichen und kam zu einem einfachen Haus, aus dem es herrlich duftete. Da die Tuer offen stand, trat er ein. Vor ihm stand eine ueppige Weihnachtstafel und gutmuetige Menschen sahen ihn laechelnd an. "Du bist herzlich eingeladen" sagten sie. 


Ich finde, die Erdenbewohner sollten enger zusammenruecken. Dann ist es auch gleich waermer in unserer Alltagswelt. Eure Ulli